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Archivale des Monats September 2016

 

Wie alles begann

 

Die Archivalie des Monats September ermöglicht uns – passend zum Landesjubiläum „70 Jahre NRW“ – einen Blick in die Entstehungszeit des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Fotographie zeigt die Erste Sitzung des Kabinetts des Landes Nordrhein-Westfalen am 30. August 1946 im Mannesmannhaus in Düsseldorf. Festgehalten ist eine Szene vor dem Eintritt in die Tagesordnung. Der von der britischen Militärregierung ernannte Ministerpräsident Rudolf Amelunxen (auf dem Foto am Kopfende des Tisches sitzend) gab eine Erklärung ab, bevor er die anwesenden Minister vereidigte und verpflichtete. Dann erst begann, unter Ausschluss der Pressevertreter, die eigentliche Kabinettssitzung. Anwesend waren neben Amelunxen (zu diesem Zeitpunkt noch parteilos, ab 1947 Zentrumspartei), Innenminister Menzel (SPD), Wirtschaftsminister Nölting (SPD), Verkehrsminister Stricker (Zentrum), Landwirtschaftsminister Heukamp (parteilos, zentrumsnah), Arbeitsminister Halbfell (SPD), Sozialminister Renner (KPD), Kultusminister Hamacher (Zentrum), Wiederaufbauminister Paul (KPD), Justizminister Kremer (parteilos, zentrumsnah), Regierungsvizepräsident Wandersleb.

 

Die Verteilung der parteipolitischen Zugehörigkeit der Kabinettsmitglieder zeigt, dass die CDU nicht der ersten Landesregierung angehörte. In den vorausgegangenen Verhandlungen am 17. August 1946 hatten sich die von Amelunxen „zwecks Bildung eines Kabinetts für die Landesregierung Nordrhein-Westfalen“ einberufenen Fraktionsführer nicht auf eine von allen Beteiligten akzeptierte Verteilung der Ressorts einigen können. Nachdem der CDU aus politischen Gründen – die SPD sah zu viele „Rechtselemente“ (Severing) in der neu gegründeten Partei – das Innenministerium verweigert worden war, verließen die Vertreter der CDU unter Leitung von Konrad Adenauer die Besprechung: Die „Union“ stand für das erste Landeskabinett nicht mehr zur Verfügung. Die übrigen Parteien und ein Großteil der historischen Forschung sahen hierin ein von Adenauer bewusst herbeigeführtes Scheitern der Verhandlungen, da er sich von den anstehenden ersten Landtagswahlen eine Mehrheit für seine Partei und somit für diese auch den Sessel des Ministerpräsidenten erhofft habe. Die FDP konnte das ihr zugesprochene Ressort, das Finanzministerium, erst im September 1946 besetzen, da der zunächst vorgesehene Kandidat, Hermann Höpker-Aschoff, aufgrund seiner Verwaltungstätigkeit während des Zweiten Weltkrieges im besetzten Polen nicht die Zustimmung der britischen Besatzungsmacht erhielt. An seiner Stelle rückte der Essener Bankier Franz Blücher in das Kabinett nach.

 

Bemerkenswert an der hier gezeigten Fotographie ist die Karte der britischen Besatzungszone im Hintergrund, über Amelunxen an der Wand hängend. Sie versinnbildlicht den entscheidenden Einfluss – man könnte auch sagen: die Patenschaft – der britischen Militärregierung auf die Entstehung des Landes Nordrhein-Westfalen und die Bildung der ersten Landesregierung.

 

Die Protokolle der Kabinettssitzungen der Landesregierung(en) von Nordrhein-Westfalen werden übrigens im Landesarchiv aufbewahrt (Bestand NW 30).



LAV R RWB Nr. 01446_0010:

Erste Kabinettssitzung des 1. Kabinetts Amelunxen am 30. August 1946