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Archivale des Monats Dezember 2016

 

 „Aktion pünktlicher Weihnachtsmann“ der Oberpostdirektion Düsseldorf (1966)

 

Lange Schlangen vor den Post- und Paketschaltern – besonders in der Vorweihnachtszeit ist dies ein vertrauter (und gefürchteter) Anblick.

 

Blickt man in die Vergangenheit, so ist das traditionell hohe Brief- und Paketaufkommen zur Weihnachtszeit – wenig überraschend – ein altbekanntes Problem: Im Jahr 1965 hatte sich der Briefverkehr in der Bundesrepublik Deutschland gegenüber 1950 verdoppelt. Und vor den Weihnachtstagen stieg die Zahl der eingelieferten Briefe, Pakete und Päckchen gegenüber dem Rest des Jahres naturgemäß stark an. Dem großen Andrang versuchten die Postämter durch verlängerte Schalteröffnungszeiten, höheren Personaleinsatz und verstärkte Öffentlichkeitsarbeit zu begegnen. Eines der Hauptprobleme war dabei die rechtzeitige Zustellung der Weihnachtspost. Aus Sorge, der Empfänger könnte das Weihnachtspaket zu früh öffnen, verschickten viele ihre Sendungen erst kurz vor den Feiertagen. Hier sollte eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit Abhilfe schaffen. So veröffentlichte der Bundesminister für das Post- und Fernmeldewesen jährlich im Oktober seinen „Weihnachtswunschzettel der Deutschen Bundespost“, in dem Geschäfts- und Privatleute um die rechtzeitige Einlieferung ihrer Brief- und Paketsendungen gebeten wurden. Zusätzlich versuchte etwa die Oberpostdirektion Düsseldorf, vor allem durch Presseberichte, das öffentliche Bewusstsein für diese Problematik zu schärfen.

 

Allein – diese Appelle verhallten anscheinend weitgehend ungehört. So wurde in einem Bericht des Postamts V in Wuppertal das ernüchternde Fazit gezogen, dass sich die Einlieferer „kaum nach den Wünschen der DBP [Deutschen Bundespost] gerichtet [hätten], die Sendungen rechtzeitig einzuliefern.“

 

Bei der Oberpostdirektion Düsseldorf sah man sich deshalb veranlasst, die Werbemaßnahmen genauer zu koordinieren und zentral zu steuern. Eine „neutrale“ Werbefigur, die nicht auf einen „erhobenen Zeigefinger der Post“ abheben sollte, wurde entwickelt – der „pünktliche Weihnachtsmann“ war geboren. Auf Plakaten in den Schalterräumen der Postfilialen, als Werbung an Kraftfahrzeugen sowie auf Zündholzbriefen sollte er Kunden an das Problem der pünktlichen Einlieferung erinnern. Auch Preisausschreiben in den Postämtern sollte die Aktion begleiten – Hauptgewinn war ein Geschenk-Sparbuch mit der Ersteinlage von 50 DM.

 

Der im Bild gezeigte kleine Papp-Aufsteller wurde an die Postämter des Regierungsbezirks Düsseldorf mit der Bitte verschickt, diese in den Paket-Annahmestellen aufzustellen. Ein Teil der Aufsteller sollte der örtlichen Presse überlassen werden.

 

Ob die „Aktion pünktlicher Weihnachtsmann“ tatsächlich das erhoffte Ergebnis gebracht hat – darüber verraten die Akten leider nichts.



LAV NRW BR 1036 Nr. 325, Bl. 65