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Archivale des Monats März 2018

LAV NRW R NW 0030 Nr. 1359 Bl. 31:

Erfolgreiches Volksbegehren "Stopp Koop!"

 

AdM März Schlemmer NW_0030_01359_0031

 

Im März vor 40 Jahren, am 1. März 1978, wurde das Volksbegehren gegen die so genannte Kooperative Schule abgeschlossen. Es handelt sich bei diesem Volksbegehren um das bisher einzige erfolgreiche Volksbegehren in der Geschichte des Landes Nordrhein-Westfalen.

 
Die Fraktionen der SPD und F.D.P. hatten dem Landtag am 9. November 1976 den Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Schulverwaltungsgesetzes vorgelegt. Durch diesen Gesetzentwurf sollte die rechtliche Grundlage für die Einführung der „Kooperativen Schule“ geschaffen werden. Diese Schulform – landläufig „Koop-Schule“ genannt – hatte zum Ziel, im Verbund Hauptschule, Realschule und Gymnasium „unter einem Dach“ zu vereinen. Der aus diesem Vorhaben erwachsene Schulstreit war das im Jahr 1977 die Landespolitik dominierende Thema.

 


Der Gesetzentwurf sah die Einführung einer von der Schulform unabhängigen „Orientierungsstufe“ für die Jahrgangsstufen 5 und 6 vor. Die Kooperative Schule wurde als eine eigenständige Schule konzipiert, die aus mehreren Abteilungen bestehen sollte. Neben der schulformunabhängigen Orientierungsstufe waren in der Regel je eine Abteilung Hauptschule, Realschule und Gymnasium mit den Jahrgangsstufen 7 bis 10 vorgesehen. Mindestens aber sollte die Kooperative Schule neben der Orientierungsstufe aus einer Abteilung Hauptschule und einer weiteren Abteilung der Sekundarstufe I (Realschule oder Gymnasium) bestehen. Sofern es die schulorganisatorischen Verhältnisse erlaubten, hätte der Kooperativen Schule auch die Oberstufe des Gymnasiums als Abteilung angegliedert werden können.

 


Die Gegner der „Koop-Schule“ waren in erster Linie Eltern- und Lehrerverbände, die der christdemokratischen Opposition nahe standen, namentlich die Landeselternschaft der Gymnasien sowie der Philologenverband. Im September 1977 gründeten mehrere nordrhein-westfälische Eltern- und Lehrerverbände die „Bürgeraktion Volksbegehren gegen die Kooperative Schule“. CDU-Oppositionsführer Heinrich Köppler und seine Partei unterstützten die Kampagne gegen die kooperative Schule nach Kräften. Das Hauptargument der „Koop“-Gegner war der Vorwurf bzw. die Befürchtung, die Kooperative Schule diene lediglich der sukzessiven Einführung der integrierten Gesamtschule.
Nach einem von beiden Seiten erbittert und verbissen geführten „Schulkampf“ kam es zwischen dem 16. Februar und dem 1. März 1978 zur Abstimmung. Statt des für einen anschließenden, dann tatsächlich entscheidenden Volksentscheid erforderlichen Quorums von 20 % stimmten 3,6 Millionen Bürgerinnen und Bürger und somit 29,8 % der insgesamt Stimmberechtigten für das Volksbegehren. Daraufhin ließ die sozial-liberale Landesregierung das Projekt der „Koop-Schule“ „im Interesse des Schulfriedens“ fallen, um – so Ministerpräsident Kühn – einer „falschen Politisierung der Schulen“ vorzubeugen. Das Volksbegehren hatte sein Ziel erreicht.

 

 
Zum Weiterlesen:
Feldhaus, Bernd/Fernau, Friedrich Wilhelm/Schwier, Hans, Kooperative Schule – Analysen, Argumente, Antworten – (SGK-Schriftenreihe, Bd. 5), Düsseldorf 1978.
Köhler, Wolfram, Annahme verweigert. Das Volksbegehren gegen die Kooperative Schule in Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 1978.
Seifert, Benjamin, Reformoptimismus und Bürgerwut. Das Volksbegehren gegen die „kooperative Schule“ in Nordrhein-Westfalen (Göttinger Junge Forschung, Bd. 19), Stuttgart 2013.