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Archivale des Monats Februar 2020

75. Jahrestag der Befreiung der letzten Überlebenden im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz durch die Rote Armee der Sowjetunion am 27. Januar 1945 


LAV NRW R RW 0058 Nr. 48076: Das Schicksal der Familie Leers aus Düsseldorf-Oberbilk 

 

Das Grauen des nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz, in dem allein 1,5 Millionen Juden umgebracht wurden, wurde anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung der letzten Überlebenden durch die Rote Armee der Sowjetunion am 27. Januar 1945 auf vielfache Weise dokumentiert. Auch im Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland in Duisburg finden sich zahlreiche Zeugnisse, die das menschenverachtende NS-Regime hinterlassen hat. Mit fast 72000 Personenakten der Gestapo(leit)stelle Düsseldorf liegt hier die größte, erhalten gebliebene Überlieferung der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) in Deutschland (Bestandssignatur RW 58).

Ein Schicksal dokumentiert die Akte RW 58 Nr. 48076 über am 21.05.1883 in Bochum geborene Friederike (Frieda) Leers, die 1942 als Witwe und Mutter von sieben Kindern in Düsseldorf-Oberbilk lebte. 

 

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Im Jahre 1913 war sie vom jüdischen zum katholischen Glauben übergetreten. Nach einer anonymen Denunziation wurde sie am 24.09.1941 von dem berüchtigten Gestapo-Beamten Pütz zur Vernehmung vorgeladen. Ihr wurde vorgehalten, dass sie als Jüdin nicht den verpflichtenden Namenszusatz “Sara“ geführt hatte und auch nicht im Besitz der ebenfalls obligatorischen “jüdischen Kennkarte“ war. Gegenüber dem Gestapo-Beamten gab die Friederike Leers an, Jüdin zu sein und dass - nach damaliger NS-Rassenterminologie – ihre Kinder als “Mischlinge ersten Grades“ bezeichnet werden. Obwohl Friederike Leers beteuerte, keine Kenntnis von den für die Juden geltenden NS-Vorschriften gehabt zu haben, wurde sie am 21.05.1942 vom Amtsgericht Düsseldorf wegen der oben genannten Delikte zu einer Geldstrafe von 70 RM verurteilt. Kurze Zeit später erhielt sie die Mitteilung, dass sie für den am 20.07.1942 von Düsseldorf abgehenden “Judentransport“ nach Theresienstadt vorgesehen war. Der 28jährige Sohn Wilhelm Leers wollte jedoch seine gesundheitlich angeschlagene 59jährige Mutter nicht alleine reisen lassen. Um diese auf dem “Judentransport“ begleiten zu können, sah er nur einen Ausweg. Wilhelm Leers, der im Dezember 1940 aus der katholischen Kirche ausgetreten war, trat am 14.07.1942 vor der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf dem jüdischen Glauben bei.

 

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Gemeinsam baten Mutter und Sohn anschließend bei der Gestapo, dass Wilhelm sich dem Transport “freiwillig“ anschließen dürfe.

 

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Am 21.07.1942 wurden Beide in das Konzentrationslager nach Theresienstadt gebracht und zwei Jahre später im Jahre 1944 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Wilhelm Leers kam dort am 28.09.1944 an und wurde noch am selben Tag umgebracht. Seine Mutter Friederike wurde am

4. Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert und dort am 06.10.1944 ermordet.

 

An das grausame Schicksal von Friederike und Wilhelm Leers erinnern auch zwei Stolpersteine, die im März 2016 in Düsseldorf zum Gedenken an der letzten Wohnadresse in Düsseldorf-Oberbilk, Ellerstraße 65a verlegt wurden.