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Archivale des Monats August 2018

Opfer der NS-Justiz - Der Fall Karl Schaps (Sondergericht Köln)

NW_0174_00234_0024 

NW 0174 Nr. 234 IV Bl. 24

Roland Freisler, stellvertretend für den Reichsminister der Justiz, an den Oberstaatsanwalt zu Köln: Ablehnung des Gnadengesuchs und Anordnung zur Vollstreckung des Todesurteils an Karl Schaps, 07.08.1942

 

Mit diesem Schreiben ist das Schicksal von Karl Schaps besiegelt. Der 31jährige Barmixer und Kaufmann aus Köln geriet im März 1942 ins Visier von polizeilichen Ermittlungen, da er verdächtigt wurde, gestohlen und von Bekannten geliehenes Geld nicht zurückgezahlt zu haben. Nach mehreren Befragungen gestand Schaps, Jude zu sein und dies jahrelang aus Angst vor Schwierigkeiten nicht angezeigt zu haben, was die Ermittlungen in eine neue Richtung lenkte. Unter den vernommenen Zeugen und mutmaßlich Bestohlenen befand sich eine Frau, die zu Protokoll gab, 1941 mit Schaps liiert gewesen zu sein. Dass er Jude sei, habe sie nicht gewusst.
Die Staatsanwaltschaft Köln spürte daraufhin sämtliche „arischen“ Frauen auf, mit denen Schaps bekannt war, um herauszufinden, mit welchen er außereheliche sexuelle Kontakte hatte. Die Anklageerhebung vor dem Sondergericht I beim Landgericht Köln erfolgte am 28.05.1942. Der Beginn der Hauptverhandlung wurde für den 08. 07.1942 angesetzt. Am selben Verhandlungstag wurde Schaps in den Anklagepunkten Diebstahl und Unterschlagung  freigesprochen, wegen Rassenschande in sieben Fällen aber zum Tode verurteilt. Die bürgerlichen Ehrenrechte würden ihm - wie bei den „arischen“ als Volksschädling Verurteilten üblich – nicht aberkannt, da er diese als Jude nie besessen hätte.
Karl Schaps wurde am 20.08.1942 in der Vollstreckungsstätte Klingelpütz in Köln mit dem Fallbeil hingerichtet.